Klausbernd Vollmar

Die Grammatik der Farben

Farben sind eine Sprache. Sie kommunizieren Gefühle, Einstellungen und Stimmungen. Die zehn hier besprochenen Farben sind wie die Fenster beim Betriebssystem WINDOWS, die Einblick in eine andere Welt oder ein anderes Programm geben. Sie bieten zehn grundsätzliche Erlebnisfelder.

Die unbunte Welt

Die unbunten Farben geben das Spektrum der Grautöne zwischen Schwarz und Weiß wieder. Sie stellen die höchste Abstraktionsform der Farbe dar.

Die bunte Welt

Die drei Primärfarben Gelb, Blau, Rot, die als Oberflächenfarben die Grundelemente aller Farben bilden, drücken auf der kommunikativen Ebene grundlegende Gefühle und Qualitäten aus. Die drei Sekundärfarben Grün, Violett und Orange, die sich aus den Primärfarben mischen, drücken auf der symbolischen Ebene Gemischtes, also Differenziertes aus.
Grün, Violett und Orange verhalten sich komplementär zu Rot, Gelb und Blau, das heißt, sie mischen sich mit diesen zu den sogenannten bunten Grautönen, die im Volksmund als Brauntöne bezeichnet werden. Braun kommt aus einer zweifacher Mischung zustande (Primärfarbe Rot + Grün [Gelb + Blau]) – Goethe bezeichnete in seiner Farbenlehre diese zweifachen Mischungen als Missfarben.

Das ist in Kürze die Grammatik der Farben.

Klausbernd Vollmar

Literatur:

Ausführlichere Informationen zur Sprache der Farben und der Symbolik der einzelnen Farben finden Sie in

Im Netz finden Sie differenzierte Informationen zur Farbe auf folgenden Seiten:

www.filmscanner.info/Farbmodelle.html
www.gris.uni-tuebingen.de/projects/vis/coursebook/visualization/perception/color
www.kfki.hu/~arthp/html/p/piero/francesc/index.html

Das Reich des Unbunten

Mit Schwarz und Weiß betreten wir die Welt von Licht, Finsternis und jenen Bereich des Zwielichts – hier herrschen die Urkräfte: Schwarz das Unbewusste, Weiß das Bewusste und Grau das differenzierte Zusammenspiel von Licht und Finsternis, das wir Leben nennen.

WEISS

Weiß ist in allen monotheistischen Religionen erhöht. Es ist die Lieblingsfarbe des Männlichen. Das männliche Auge suchte seinen Gott stets oben, wo das Licht herstammt. Oben und weiß steht für die Vergeistigung, denn Licht ist die Voraussetzung zur Erkenntnis. Weiß als die Symbolfarbe des Lichts und des Bewusstseins dringt in die Finsternis (im männlichen Akt) ein und drückt damit den Willen aus. So verwundert es nicht, dass Weiß eine beliebte Farbe der männlichen Autorität darstellt. Patriarchale und somit monotheistische Religionen stellen sich Gott weiß vor. "Gott ist Licht" heißt es im Koran. Wir sprechen heute von den "Göttern in Weiß", wenn wir die Autorität der Ärzte ironisieren wollen. Dass Weiß mit Willen und Aggression assoziiert ist, spiegelt auch den physiologischen Vorgang der Wahrnehmung von Weiß wider. Der Farbeindruck Weiß wird durch das Auge dadurch ausgelöst, dass ein Maximum des Sehpurpurs (Rhodopsin) in den Stäbchen zerstört wird. Dass Weiß aggressiv ist, können Sie aber auch ohne jene Kenntnisse leicht spüren: eine stark beleuchtete weiße Fläche anzuschauen, schmerzt – man sagt, sie sticht ins Auge.

In den Lichtmysterienreligionen, wie der des Zoroastra (Zarathustra) in Persien, wurde Weiß erstmalig zur "guten" Farbe. Das Christentum entdeckte es dann als Farbe der Reinheit und als diese tritt Weiß bekanntlich in der Waschmittelwerbung auf, wo es darum geht, wer das weißeste Weiß aufweisen kann. Es geht um die weiße Weste. Weiß und Sauberkeit gehören zusammen. Im Sinne Freuds zeigt sich hierin eine Analfixierung, die Angst hat, sich zu beschmutzen. Aber dennoch zieht Weiß unweigerlich den Dreck an. Alles Weiße zeigt eine Tendenz zur Beschmutzung, was sich schon in der geringen Farbreichweite der Farbe Weiß zeigt. Ein Tropfen einer anderen Farbe in Weiß gegeben kann Weiß sogleich seinen Charakter verlieren lassen. Weiß wiederum bricht alle bunten Farben. Es raubt ihnen ihre Leuchtkraft. Weiß überstrahlt und lässt speziell die warmen Farben neben sich erblassen. Die kalten Farben lässt Weiß noch kälter wirken. Obwohl Farbe des Lichts ist es eine kalte Farbe, die mit Schnee und Eis verbunden wird.

Als Farbe der Reinheit ist Weiß auch die Farbe der Jungfräulichkeit und Spiritualität. Maria wurde seit der Renaissance häufig mit einer weißen Lilie in der Hand oder mit der weißen Rose (ohne Dornen) dargestellt. Jung hat hierin Maria als Anima-Figur erkannt, die das Weibliche in Mann und Frau ausdrückt. Damit sind wir beim weiblichen Pol der Farbe Weiß angelangt.

Weiß besitzt wie alle Farben die Pole männlich und weiblich. Der männliche Pol lässt Aggression anklingen, der weibliche verweist auf die Anima.

Weiß in Kürze

Das männliche Weiß ist von Autorität, Willen und Aggressivität geprägt (der weiße Wal, der weiße Hai, Götter in Weiß, etc.) – hierhin gehört auch die institutionalisierte Spiritualität, die tendenziell dem Fundamentalismus zuneigt (z.B. Missionsgedanke).

Das weibliche Weiß betont die Reinheit und speziell die sexuelle Unberührtheit (Naivität & Unerfahrenheit). Frauen ganz in Weiß oder mit weißen Attributen können als Personifizierungen oder Allegorien der Anima angesehen werden.

Ferner ist Weiß wie seine komplementäre Farbe Schwarz eine abstrakte oder unbunte Farbe. Sie stellt die Summe aller Lichtfarben dar und tritt im Regenbogen nicht auf. Weiß ist die kalte Symbolfarbe des Winters, obwohl sie zugleich Licht symbolisiert.

Der Ausdruck "weißes Licht", der im Heilen und der Esoterik üblich ist, bezeichnet keineswegs ein weiß gefärbtes, sondern ein durchsichtiges Licht, das als Heilfarbe an sich gilt.

Lit.:

SCHWARZ

Wurde Weiß als Farbe vergöttlicht, so wurde Schwarz dämonisiert. Das war allerdings nicht immer so. Ursprünglich, in matriarchalen Zeiten zu Beginn unserer Kultur, war Schwarz die "gute Farbe". Es war der schwarze Flussschlamm von Euphrat, Tigris und Nil, der Leben brachte und es ist eine Erfahrung, dass alles Leben zuerst im Dunkel heranwächst. Aus diesem Grund war Schwarz die heilige Farbe matrilinearer Kulturen. Daran erinnern noch heute die schwarzen Madonnen, die auf Isis und Kybele und somit auf Fruchtbarkeitskulte zurück gehen. Diese Verbindung schwingt noch mit, wenn wir Schwarz als geil empfinden. Es ist die beliebteste Farbe bei Dessous, da sich hinter ihr das süße Geheimnis verbirgt, um das Begehren zu steigern. Schwarz ist das Geheimnisvolle, jenes was man nicht sieht, da es das Licht gleich einem schwarzen Loch verschluckt. Schwarz ist auch der geheimnisvolle Kontinent Afrika. Diese Farbe des Geheimnisses zog die Magie an, bei deren Ritualen von der schwarzen Messe bis zum Zauberstab Schwarz dominiert. Selbst die magischen Bücher wurden als "swarze buochen" in schwarz gebunden.

Aber schwarz ist auch der Luxus. Gerade im High Tech Bereich werden edle Geräte in schwarzer Farbe angeboten. Speziell ein matte Schwarzlackierung lässt den Wert eines solchen Gegenstands höher wirken - sei es nun eine Stereoanlage, eine Kamera oder ein Auto. Auch Frauen wirken meistens in ihrem "kleinen Schwarzen" edel. Im Hohen Lied der "Bibel" sagt selbstbewusst die Königin von Saaba: "Ich bin schwarz, deshalb schön." Freilich weiß dies die arabische Sprache seit ihrem Urbeginn, bei der der Ausdruck "khem" für Erde, schwarz und schön steht.

Während Weiß optisch vergrößert, verkleinert Schwarz. Schwarz ist die vorteilhafte Kleidung der fülligeren Menschen, aber auch wie Weiß die Farbe der Macht. Schwarz ist der Gelehrtenmantel und sind die Talare der Richter und die Kleidung des Bürgers zu offiziellen Anlässen.

Obwohl ursprünglich Schwarz dem Leben verbunden war, wurde es unter dem Einfluss des Christentums zur Farbe der Trauer und des Todes. Der schwarze Tod, das war die Pest, deren Opfer schwarz verrotteten. Im Christentum, das in großer Konkurrenz zu den antiken Mysterienkulturen stand, wurde Schwarz aus Konkurrenzgründen derart diskriminiert, dass das christliche Urbild des Bösen – der Teufel – auch zuerst schwarz, später auch rot gedacht wurde. Es waren aber nicht nur die Konkurrenzgründen, die Christen alles Schwarze ablehnen ließen, sondern auch die Körperlichkeit und Lust, die mit Schwarz verbunden sind. Schwarz ist ferner das Unbewusste, aus dem unsere Triebenergien stammen, aber auch in den höchsten esoterischen Lehren das Sinnbild größter Weisheit, was u.a. an der Kaaba, dem schwarzen Meteoriten in Mekka, zu sehen ist. Schwarz ist höchste Erkenntnis und das Wissen der Eingeweihten - Weiß ist dagegen fürs Volk (wie man in den esoterischen Modeströmungen des 20. Jahrhunderts deutlich sieht).

Schwarz in Kürze

Schwarz ist ursprünglich die Farbe des Lebens, der Fruchtbarkeit und der Schönheit. Es ist ein Symbol der Erde, Körperlichkeit und Sexualität. Im Laufe des Kulturprozesses wurde Schwarz dämonisiert und somit in der christlichen Kultur zur Farbe des Bösen und des Teufels. Schwarz ist das Exklusive und Edle, was letztlich darauf zu zurückzuführen ist, dass Schwarz wie Weiß als Farbe der Macht angesehen wird. Die tiefste Erkenntnis wird speziell im Islam, Buddhismus und Hinduismus mit schwarz symbolisiert (dem uneingeweihten Volk allerdings präsentieren diese Weltanschauungen Weiß als Farbe des Geistes [weiße Taube z.B.])

 Klausbernd Vollmar 

Literatur:

GRAU

Seit Goethes viel zitiertem Satz "Grau, Freund, grau ist alle Theorie ..." (Faust I) ist Grau in Verruf geraten. Wir sprechen umgangssprachlich von der "grauen Maus" und verbinden damit Grau mit Langeweile und Tristesse. Von der gleichen Sichtweise war die frühere Sicht der DDR geprägt, die von westlichen Besuchern als graues Land erfahren wurde. Auf der anderen Seite ist diese unbunte Farbe, die sich einzig aus Schwarz und Weiß mischt, ein Ausdruck der Differenzierung. Licht (Weiß) und Finsternis (Schwarz) mischen sich, um einen neuen Farbcharakter entstehen zu lassen. Diese Farbe Grau steht bei der Kleidung den meisten Menschen gut. Dort wirkt sie fein. Wenn die Kabbala dem Punkt Chokmah die Weisheit und Lebensklugheit zuordnet, so drückt sich das farblich in dieser Mischung der Gegensätze aus. Leben ist Spannung, wie Friedrich Nietzsche (bes. in "Also sprach Zarathustra") betonte. Die Herausforderung des Menschen besteht darin, mit dieser Spannung umzugehen. Im Grau sind Schwarz und Weiß gespannt. Die Aufgabe besteht darin, diese beiden Grundenergien auszugleichen, was man – so es gelingt – als Weisheit bezeichnen kann.

Grau sind ferner die grauen Panther und die grauen Eminenzen. Diese Grauen sind typisch für die Verbindung von alt mit grau. Solche Assoziationen sind von der Erfahrung geprägt, dass Altes staubig ist – Staub ist bekanntlich grau – und dass man mit dem Alter graue Haare bekommt. In Zeiten der Jugendkultur ist Grau unbeliebt. Die graue Eminenz mag zwar häufig älter sein, aber in diesem Ausdruck zeigt sich auch die Macht, die im Hintergrund steht. Grau ist nämlich die am wenigsten auffällige Farbe. Maler im Umkreis von "de Stijl" und dem "Bauhaus" waren überzeugt davon, dass alle Farben einen bestimmten Grauanteil aufweisen. Bei den Primärfarben würde ich das bezweifeln, aber bei jeder Mischfarbe ist dies zweifelsohne der Fall. Die schönsten Grautöne produziert jedoch die Schwarz-Weiß-Fotografie, bei der die fein differenzierten Grauabstufungen den Charme einer Fotografie ausmachen. Wer sich mit diesen Farbabstufungen des Grau beschäftigt, wird wie viele Farbtheoretiker zu Beginn des 20. Jahrhunderts bemerken, dass Grau genauso differenziert ist wie die bunten Farben (in der Schwarz-Weiß-Fotografie wird jede Farbe durch einen entsprechenden Grauton ausgedrückt). Grau besitzt so die größte Farbreichweite aller Farben. Grau bleibt sich identisch, egal wie viel Weiß oder Schwarz wir einmischen.

GRAU in Kürze

Grau ist der Ausgleich von Licht und Finsternis.
Grau wird selten als Lieblingsfarbe genannt, aber in der Garderobe ist Grau beliebt. Grau ist nicht aufdringlich, aber mächtig, da es in allen gemischten Oberflächenfarben vorhanden ist.

Grau wird in unserer Kultur mit Alter, Langeweile und Theorie assoziiert. Erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Aufkommen der Daguerreotypie (früheste Fotografie) beschäftigen sich breitere, an der Kunst interessierte Kreise mit Grau.

 

Klausbernd Vollmar

 

Literatur:

Das Reich des Bunten

Nun betreten wir die Welt der bunten Farben, so wie wir sie im Regenbogen und am Bildschirm als Lichtfarben (RGB-System) erleben und bei der Farbe unserer Autos und der Kleidung zum Beispiel als Oberflächenfarbe (CMYK-System). Das Bunte kommt nach Goethe durch die Leiden und Freuden des Zusammenspiels von Licht und Finsternis zustande.

Die Welt der Primärfarben

Mit den Primärfarben betreten wir die Welt der Grundenergien im bunten Bereich. Diese Welt wird von den Grundenergien Gelb, Blau und Rot bestimmt, die als "Atome" alle anderen bunten Farben bilden.

BLAU

Blau: Intuition, Seele, Wasser. Als Druckerfarbe Cyan C (grünstichiges Blau) Primärfarbe der Oberflächenfarben. Wer kennt sie nicht, die blaue Blume der Romantik, die Novalis (Friedrich von Hardenberg) in seinem Romanfragment "Heinrich von Ofterdingen" weltberühmt gemacht hat. Blau ist seit dem Zeitalter der Romantik die Lieblingsfarbe der meisten Menschen in unserem Kulturbereich. Allerdings über die Zeiten liebte man Unterschiedliches am Blau. Den Romantikern war Blau die Farbe der Sehnsucht und der Seele. Das Gute, Wahre, Schöne und vor allem das Emotionale wurde für sie – wie für die mittelalterlichen Kabbalisten – im Blau ausgedrückt. Das ist verständlich, denn blau sind Wasser und Himmel. Somit ist die unendliche Weite und Tiefe angesprochen, die jedoch selber gestaltlos ist. Das ist die poetische Metapher für die Seele, aus der (nach romantischem Verständnis) unsere Gefühle stammen. Dazu kommt noch, worauf Wassily Kandinsky als erster aufmerksam machte, dass Blau zentripetale Tendenzen aufweist, das heißt, es zieht den Betrachter in die Farbfläche hinein. Die blaue Farbgeste ist jene der Innenschau.

Aber nicht jeder Maler stand dem Blau derart positiv gegenüber wie die Künstler des Bauhauses und später Yves Klein. Caravaggio stand nicht allein da, wenn er Blau strikt als zu dunkel, zu deprimierend ablehnte. Neben der positiven Seite des Blau als Seelenfarbe stand stets das Blau als farbiger Stellvertreter der Finsternis, wie Goethe es in seiner Farbenlehre beschreibt. Blau ist auch Verfall: der blaue Schimmel, das blaue Licht tödlicher Strahlung, die Blausäure – und die blauen Augen werden nur in unserem Kulturbereich als engelsgleich betrachtet. Der Islam sieht sie als ein dämonischen Zeichen. Von ihnen stammt der böse Blick, vor dem die Hand der Fatimah bis heute schützt. Auf der anderen Seite lieben speziell die Wüstenvölker die Farbe Blau, da sie archetypisch das Wasser und das Kühle symbolisiert. Die blauen Kacheln der Moschee von Täbris sollen dem Pilger einen Vorgeschmack des Paradieses vermitteln, in dem es angenehm kühl ist und am Wasser nicht mangelt. Die Verbindung Blau mit Wasser treffen wir auch in unserer Kultur auf Schritt und Tritt. Die Seefahrt wird von den blauen Jungs betrieben, die vor dem Auslaufen den blauen Peter hissen. Für die schnellste Atlantiküberquerung hoffen sie auf das blaue Band für ihr Schiff. Das eher negative Blau erleben wir im sogenannten Blausein, wenn man zu viel getrunken hat und von Sinnen ist, im blauen Wunder, das wir erleben, und im blauen Auge, das man in Kämpfen bekommen kann.

BLAU in Kürze

Blau ist die Lieblingsfarbe der meisten Menschen in unserer Kultur, was wohl daran liegt, dass Blau beruhigend wirkt. Blau ist in allen Kulturen archetypisch dem Wasser und dem Himmel verbunden. Damit symbolisiert es logischerweise als kalte Farbe (rechte Seite des Farbenkreises) das Kühle.

Blau mit seiner nach innen führenden Tendenz ist ferner die Symbolfarbe der Seele und des Gefühls. Seit der deutschen Romantik wurde Blau mit der Sehnsucht und speziell der Liebessehnsucht verbunden.

Der negative Pol von Blau hängt mit der Dunkelheit dieser Farbe zusammen, die als farbiger Stellvertreter der Finsternis betrachtet wird. Aus diesem Grunde ist Blau auch dem Verfall verbunden.

Literatur:

GELB

Gelb: Denken, Geist, Sonne. Als Druckerfarbe Yellow Y (reines Gelb) eine der drei Primärfarbe bei den Oberflächenfarben. Im Auge entsteht es als Lichtfarbe aus der Mischung von grünem und rotem Licht.

Gold: wird farbentheoretisch als Steigerung von Gelb betrachtet – man könnte es als den Metallicfarbton von Gelb bezeichnen.

Blau und Gelb bilden für Goethe die Polarität der Farben, da bei Blau der Blick durch eine seitlich beleuchtete Trübe (die Atmosphäre der Erde) auf die Finsternis (das schwarze All) gerichtet ist. Bei Gelb dagegen schauen wir durch eine Trübe aufs Licht (Sonne). Gelb ist also der farbige Stellvertreter des Lichts. Archetypisch ist Gelb oder Gold das Symbol der Sonne. An Gelb fasziniert die Strahlkraft. Es diejenige Farbe, die dahin tendiert, stark in ihre Farbumgebung hineinzustrahlen. Es ähnelt damit Weiß. Mit Weiß hat Gelb ebenso die geringe Farbreichweite gemeinsam. Gelb entspricht von seiner Farbgestik her der Kommunikation, die wie die Strahlen der Sonne alles verbindet. Gelb ist die Farbe der Post seit den Zeiten der Postkutschen. Heute sind die Nachrichtenkabel gelb gekennzeichnet. Farbpsychologische Untersuchungen zeigen, dass Gelb in der Umgebung oder als Kleidung die Kommunikation anregt. Gelb macht wach und kommunikativ.

Aber es gibt auch einen negativen Aspekt dieser Lichtfarbe. Der Volksmund sagt: "Gelb ist der Neid". Aber nicht nur der Neid ist gelb, sondern auch das Gift. Speziell ein Gelb mit leichten Blaueinmischungen (so dass es grünlich gelb wirkt) wird als "giftgelb" bezeichnet und mit Schmutz (Urin) und Gift verbunden. In diesem Zusammenhang wie auch bei Verkehrsschildern sagt Gelb "Achtung!" Das ist sinnvoll, da Gelb gut gesehen wird. Es springt ins Auge (da es wie Weiß sehr viel Sehpurpur zersetzt).

Gelb besitzt eine lange Tradition als Farbe der Aussätzigen. Nicht nur die Juden mussten vom Mittelalter bis im deutschen Faschismus auffällig gelbe Zeichen tragen, sondern auch Schuldner, Huren und Aussätzige wurden vom frühen Mittelalter an bis in die Neuzeit hinein zur gelben Kleidung gezwungen. Erst mit dem Ende 19. Jahrhundert sollte sich diese negative Belegung der gelben Kleidung ändern. Gelb wurde zu der Modefarbe.

Im Gegensatz zu Blau vergrößert Gelb (wegen seiner Ausstrahlung). Das ist ein Grund, warum der Kaiser von China traditionell Gelb trug. So war er groß, so fiel er auf. In unserer Kultur sind es die großen Maschinen wie Straßenbaumaschinen, große Lastwagen und Raupen, die gelb sind. Gelb ist groß – diese Verbindung zeigt sich immer wieder in Assoziationsexperimenten.

Da Gelb eine warme Farbe (linke Seite des Farbenkreises) und ein Symbol der Sonne ist, drückt es Mitgefühl aus. Das sollen die mit Safran gefärbten gelben Roben ostasiatischer Mönche zeigen. Gelb sind die Opfer, die Randgruppen der Gesellschaft, und gelb sind deren Helfer, jene die Mitgefühl walten lassen. Gelb ist die Krankheit und das Heilmittel, was homöopathisch gedacht ist, dass nämlich Gleiches Gleiches heilt. Van Gogh war einer unter vielen Malern, die sich von ihrer geistigen Verwirrtheit durch die Gestaltung der Farbe Gelb heilen wollten. Hier ist es der reine gelbe Farbton, der heilt. Verändert sich Gelb zum kalten Spektrum hin, wird es eher mit krank, Gift und Unsauberkeit in Verbindung gebracht. Tendiert Gelb zum warmen Spektrum hin (Gelborange), wird es als wohltuend warme Heilfarbe empfunden.

GELB in Kürze

Gelb ist der farbige Stellvertreter des Lichts (Goethe). Als lichte Farbe wirkt es wärmend, anregend und kommunikationsfördernd. Es strahlt aus und lässt Gegenstände und gelb gekleidete Personen größer wirken. Die unbunte Symbolfarbe des Lichts – Weiß – und die bunte – Gelb – haben einige gemeinsame Eigenschaften: beide Farben

Der negative Pol vom Gelb kann mit den Begriffen Neid, Gift und Wahnsinn charakterisiert werden. Gelb warnt vor Gefahren im Verkehr, ob im Straßenverkehr oder mit ausgegrenzten Gruppen der Gesellschaft.

GOLD

Gold ist die Steigerung der Farbe Gelb ins Metallische und symbolisiert folglich ebenfalls Macht und Größe. Die erste Assoziation zu Gold in unserem Kulturbereich ist meistens Reichtum. Die Alchimisten vom Mittelalter bis zur Goethezeit sprachen vom Seelengold und meinten damit das Höhere Selbst in uns.

Literatur:

ROT

Rot: Empfinden, Körper, Feuer. Als Druckerfarbe Magenta M (Purpurrot) eine der drei Primärfarben bei den Oberflächenfarben. Bei den Lichtfarben entsteht M additiv aus Blau und Rot.

Rot ist die Farbe des Bluts, der Liebe und somit auch die Farbe des Herzens. Während Blau die seelische Liebe symbolisiert, spricht Rot die körperliche Liebe an. Aus diesem Grund sprechen wir vom Rotlichtbezirk. Rot ist Attraktivität, die Farbe nach der Kinder in aller Welt zuerst greifen. Aber rot sind auch der Krieg und der Mut. Folglich ist es die Farbe von Ares (griech.) und Mars (röm.). Der Krieg ist Blutvergießen und Brandschatzung – beides ist rot. Rot ist in allen Kulturen die Farbe des Feuers und gleichzeitig derjenigen Mittel, die das Feuer löschen. Die Feuerwehr und der Feuerlöscher leuchten rot und früher waren es rote Pflanzen, die vor Feuerbrünsten schützen sollten oder davor, dass man nicht "den roten Hahn" aufs Dach gesetzt bekam.

Rot ist ferner die Farbe der Befreiung: auf der sexuellen Ebene jene der körperlichen Befreiung und auf der politischen Ebene der Befreiung durch die Revolution oder zumindest den Aufstand. Wo Rot ist, da ist Bewegung – außer bei der Ampel, bei der Rot Halt gebietet. Das hat allerdings weniger symbolische Bedeutung als die praktische, dass auf der Höhe der Ampeln wenig Rotes in der optischen Landschaft der Städte zu sehen ist.

Rot wird der Stärke, dem Mut und der Kraft zugeordnet. Der Krieger, der Held und der König tragen das rote Gewand, das ihre Stärke dem Gegner signalisiert. Jenes rote Gewandt energetisiert. Das ist messbar. Rote Kleidung lässt die Hauttemperatur ansteigen und wärmt so die betroffen Körperstellen. Ferner macht Rot aggressiv und kampfbereit, was soweit geht, dass laut Versicherungsstatistik mit roten Autos eher schnell und aggressiv gefahren wird als mit andersfarbigen.

Bei den Früchten der Natur signalisiert rot deren Reife. Das entspricht Goethes und Steiners Farbauffassung, nach der Rot die Steigerung aller Farben darstellt. Hiermit ist allerdings eher das kalte Rot, die Druckerfarbe Magenta gemeint. Dieser Rotton stellt genau die Primärfarbe Rot dar, die Goethe Purpur nannte. Dieses Rot galt wegen seiner aufwändigen Gewinnung als die Farbe der Macht und Stärke, so dass in der Antike nur Machtträger Rot tragen durften. Ein Abglanz davon ist noch heute der rote Teppich, der für Prominente ausgerollt wird.

ROT in Kürze

Alles, was mit Blut verbunden wird, ist rot: das Herz, die Liebe, das Feuer und der Krieg. Verliebte malen rote Herzchen und alle Kriegsgötter sind rot. Letztlich sind die meisten Symbolbedeutungen von Rot auf die Polarität Liebe und Aggression zurückzuführen. Archetypisch ist Rot die Farbe des Feuers – die des Brands wie auch des Feuers der Leidenschaft. Als warme Farbe steht Rot für Hitze oder zumindest Wärme. Rot ist die Farbe der Revolution und der Befreiung, aber auch jene der etablierten Macht.

Klausbernd Vollmar

Literatur:

Die Welt der Sekundärfarben

Auf unserem Weg vom Abstrakten zum Differenzierten gelangen wir auf dieser Stufe in die Welt der gemischten Farben. Werden die ungemischten Farben psychologisch oft mit emotionalen Grundkräften verbunden, so stehen die gemischten Farben für die Differenzierung des Charakters, der der Kindlichkeit entwachsen ist.

GRÜN

Subtraktive Mischung von Blau und Gelb bei den Oberflächenfarben. G für "green" ist eine der drei Primärfarben bei den Lichtfarben. Grün symbolisiert Fühlen, Verbindung Licht & Finsternis, Natur.

Wer Grün hört oder sieht, denkt an die Natur. Wie bei allen Farben mit großer Farbreichweite kommt es allerdings auf den speziellen Grünton an. Grüne und "Naturfreaks" lieben ein leicht ins Warme verschobenes Grün, das an das Frühlingsgrün erinnert. Grundsätzlich besteht eine Tendenz heute, die zum Warmen hin tendieren Farbtöne als angenehmer und harmonischer zu empfinden als die kalten Töne einer Farbe.

Grün ist das natürliche Leben, aber ein kaltes Grün kann schauerlich wirken, was sich postmoderne Werbung und der Film zu nutze machen (großer Einfluss des Kultfilms "Matrix"). Wer grün im Gesicht ist, dem ist es schlecht, und von grünem Obst wird es einem schlecht. Dennoch heißt es "Grünes ist gesund", womit Blattgemüse gemeint ist. Dass grün Unreife kommuniziert, daran erinnert noch der Ausdruck "der ist grün hinter den Ohren".

Während Rot an der Spitze des Farbenkreises die Steigerung aller Farben ausdrückt, liegt seine Komplementärfarbe ihm gegenüber an seiner tiefsten Stelle. Grün ist Ruhe, in der farbigen Welt der Ausgleich zwischen Licht (Gelb) und Finsternis (Blau). Nach Goethe, Steiner und Kandinsky ist im Grün die Bewegung der Farben zur Ruhe gekommen – oder mit anderen Worten: Grün symbolisiert die Ewigkeit der Natur. Für Hildegard von Bingen drückt es zugleich Vitalität und die Heilkraft der Natur aus. Für den Volksmund ist die Hoffnung grün, was auf die archaische Frühlingssehnsucht zurückzuführen ist. Aber grün sind auch der Schimmel und der hochgiftige Grünspan. Als Farbe mit großer Farbreichweite von Gelbgrün bis Türkis kommt es auf den Farbton an, ob wir Grün als positiv oder negativ bewerten. Je dunkler das Grün, desto negativer wird es bewertet. Das dunkle Grün des Nadelwaldes ist in der Fantasy-Literatur und den Sagen mit bösen Wesen bevölkert, die man lieber nicht trifft.

Eine hervorragende Rolle spielt Grün im Islam, denn Grün war die Lieblingsfarbe des Propheten Mohammed. So wird im islamischen Kulturbereich Grün stets positiv bewertet. Als großer Weise des Volks tritt der Chidr Grün auf (in der Mythologie ein Lehrer von Moses).

Grün kommuniziert ferner das Sichere und Gediegene. Darauf baute die Werbung der Dresdener Bank, die Grün als ihre Firmenfarbe erwählt hatte. Wie die grüne Natur Wachstum verkörpert, so soll Ihr Kapital bei dieser Bank wachsen. Wie gesagt: "Grün ist die Hoffnung".

GRÜN in Kürze

Wie im unbunten Farbraum im Grau mischen sich im bunten Farbraum im Grün Licht und Finsternis. Licht und Finsternis sind im Grün ausgeglichen und so kommuniziert Grün Ruhe. Als Farbe der Natur steht es aber auch für Vitalität, Heilkraft und Wachstum.

Das giftige Grün dagegen zeigt Krankheit oder zumindest Unreife an.
Im Islam ist Grün die beliebteste aller Farben.

Literatur:

ORANGE

Subtraktive Mischung Rot und Gelb. Rotorange R ist eine der drei Primärfarben bei den Lichtfarben. Orange bildet als Mischung zweier warmer Farben den Wärmepol des Spektrums. Es ist die auffälligste Farbe im Farbenkreis, warum sie als Sicherheitsfarbe beliebt ist. Wie Gelb weist Orange die Tendenz auf, seine Nachbarfarben zu überstrahlen. Da Orange so auffällig ist, wird es selten als Lieblingsfarbe genannt, es sei denn in seinem Farbton Apricot, der speziell von Frauen positiv bewertet wird.

Der Vorteil der Farbe Orange ist zugleich ihr Nachteil: das Schreiende dieser Farbe lässt orange Gegenstände oft billig wirken. Im Gegensatz zu Schwarz mindert Orange meistens den Wert eines Gegenstands.

Mehr noch als Gelb kann Orange als Farbe des Mitgefühls betrachtet werden und besonders im ostasiatischen Bereich wird Orange mit einem Schritt auf die Erleuchtung hin gleichgesetzt. Der Suchende teilt durch sein orange Gewand mit, dass er auf seinen Weg bereits eine hohe Stufe erreicht hat. Das orange Gewand gilt als Ehrenkleid für den spirituell Suchenden in Hinduismus und Buddhismus. Im Westen suchten die Sannyassin, die Anhänger des damaligen Bhagwan Sree Rajneesh (Osho), dies einzuführen, was ihnen allerdings nur für kurze Zeit gelang. Orange rückt einen zu sehr in den Vordergrund, weswegen, bevor die Linienperspektive in der Renaissance entwickelt wurde, der Vordergrund häufig mit einem Gelborange dünn lasiert wurde (Farbperspektive).

Als orange sieht der Inder im Ideal seine Haut. Deswegen werden häufig im Hinduismus Götter mit orange Körper dargestellt. Orange gilt in diesem Kulturbereich als die schöne Farbe an sich.

Der stark extravertierte Charakter von Orange macht es in unserem Kulturbereich zur beliebten Farbe der Werbung, aber zur unbeliebten Kleiderfarbe. Eine Ausnahme bilden die Niederlande, in denen durch das Herrschaftshaus Onranje Orange äußerst beliebt ist. Ähnlich verhält es sich in der Ukraine, wo die Freiheitsbewegung unter Juschtschenko mit der "orange Revolution" siegte. Diese Farbgeste übernahmen die jüdischen Siedler im Gazastreifen vor der Räumung im Sommer 2005. Orange politisiert sich und nähert sich so dem früheren Charakter von Rot an.

Beliebt ist Orange bei Kindern – zumindest nimmt dies das Fernsehen an. Die Sendung mit der Maus ist orange (die Maus selber und der Hintergrund). Kinder lieben das Extravertierte von Orange, das sie direkt anspricht.

Ungewöhnlich ist die Verbindung von Tod und Orange. Es war das Agent Orange, das als Entlaubungsmittel in ungeheuren Mengen über Vietnam abgeworfen wurde und heute für genetische Schäden in diesem Bereich laut Rotem Kreuz verantwortlich ist. Mit diesem Agent Orange soll ironischerweise auf Juschtschenko, dem Anführer der orange Revolution, ein Attentat verübt worden sein.

ORANGE in Kürze

Orange als Wärmepol des Spektrums ist zugleich die auffallendste aller Farben. Es wird in unserem Kulturbereich häufig als "zu schreiend" abgelehnt. Anders verhält sich jedoch bei Kindern und im Hinduismus. Kinder spricht Orange an und für den Hindu gilt Orange als die ideale schöne Farbe. Wegen seiner Auffälligkeit verdrängt nicht nur Orange zunehmend Gelb als Warnfarbe, sondern es wird auch von politischen Bewegungen zur Zeit massenwirksam genutzt, denn es fällt auf.

Literatur:

VIOLETT

Subtraktive Mischung von Blau und Rot. Violettblau B ist eine der drei Primärfarben der Lichtfarben. Violett ist der Grenzgänger unter den Farben. Es steht - wie sein Nachbar Rot im Farbenkreis - an der Grenze zur Sichtbarkeit (ein Violett mit einer Schwingung von unter etwa 400 Nanometern [Ultraviolett] ist nicht mehr sichtbar) und wurde deswegen im jüdischen Kulturbereich als Farbe des persönlichen Unbewussten angesehen. Im kirchlichen Bereich wird Violett eingesetzt, um die Kommunikation des Priesters oder der Kirche mit dem Unsichtbaren zu betonen. Aber Violett ist auch ein Grenzgänger in anderer Hinsicht: Violetttöne sind sehr beliebt bei homosexuellen Männern und Frauen. Insgesamt galt Violett als Farbe der Dekadenz. Es war die Lieblingsfarbe des Rokoko und der Jugendstilkünstler, die das Natürliche unnatürlich zu stilisierten suchten.

Violett ist äußerst unbeliebt. Goethe und viele Bauhauskünstler (vermittelt über Kandinsky) lehnten Violett als "eigenartig unentschiedene Farbe" ab, die sich nicht zwischen Rot und Blau entscheiden kann. Diese Unentschiedenheit ließ außer in Zeiten der Frauenbewegung Violett in der Mode fast verschwinden. Modeschöpfer setzten an dieser Farbe aus, dass sie unter dem unterschiedlichen Licht in alle möglichen Grau-, Blau- und Rottöne erscheint. Violett besitzt etwas Schillerndes. Violett ist eine Farbe von größter Farbreichweite, die vom Purpur bis Indigo reicht. Das rote Violett war die teuerste Farbe in der Antike. Es galt als besonders edel. Das blaue Violett war dagegen günstiger herzustellen und deswegen weitaus weniger gefragt. Blauviolett ist ein Farbton, der erst in der Neuzeit als Modefarbe entdeckt wurde (in Rom war es die Farbe der Kleidung der Sklaven).

Nicht nur wegen seiner Unentschiedenheit wurde Violett abgelehnt, sondern auch wegen seiner Dunkelheit (die Blau noch übertrifft). Violett ist die dunkelste der Oberflächenfarben, die häufig durch Weißbrechung zu Lila oder der Fliederfarbe aufgehellt wird. Als stark aufgehelltes Violett eroberte Lila die Herzen der Menschen des Rokoko. Diese Mode wurde von Madame Pompadour begründet, deren Salon diese Farbe neben Rosa und Weiß aufwies. Fast 300 Jahre später war es die Frauenbewegung, die Violett wieder entdeckte. Ihr bot sich Violett als Verbindung von Körper (Rot) und Seele (Blau) an. Die Beseelung des Körpers und damit der Sexualität galt als Programm speziell der intellektuelleren Frauenbewegung. Ganz besonders wurde Violett in der frühen Donaumonarchie gewürdigt, indem der Kaiser und sein Hofstaat an die Donau zogen, um das erste Veilchen als Frühlinsboten ehrenhaft zu begrüßen.

Violett besitzt mit 750 bis 800 Billionen Schwingungen pro Sekunden die höchste Schwingungszahl aller sichtbaren Farben. Diese Energie lässt Violett für Esoteriker interessant werden: Farbheiler lieben Violett. Violett wird dem höchsten Energiezentren des Körpers zugeordnet. In der Kirche kann (bei den Paramenten) Violett Schwarz ersetzen und ein Symbol der Trauer sein (im Bergischen Land trauerte man teilweise bis zum ersten Weltkrieg mit Violett ab – d.h. im zweiten halben Jahr trug der oder die Trauernde violett).

VIOLETT in Kürze

Violett ist unbeliebt, da es als uneindeutig, dunkel und dekadent gilt. Als Farbe am Übergang zum unsichtbaren Ultraviolett ist es speziell bei der höheren Geistlichkeit beliebt, die ihre Kommunikation mit dem Unsichtbaren und ihren Reichtum (sich dieses Gewandt leisten zu können) mit Violett demonstriert. Rokoko und Jugendstil waren die Zeiten höchster Beliebtheit des Violett, vielleicht gerade weil dieser Mischfarbe etwas Dekadentes anhaftet.

In der christlichen Kirche ist Violett der farbige Stellvertreter des Schwarz und somit als Farbe der Trauer eingeführt.

Literatur:

Die Welt der bunten Grautöne

Farbtheoretisch und mischtechnisch kommen bunte Grautöne dadurch zustande, dass man eine Farbe mit ihrer Komplementärfarbe mischt. Es handelt sich hierbei um eine zweifache Mischung: die erste Mischung bringt die Sekundärfarbe hervor, die zweite Mischung mischt diese mit ihrer Komplementärfarbe. Da zweifach gemischte Farben keine Leuchtkraft mehr haben (auf Grund des zunehmenden Grauanteils bei jeder Mischung) nannte Goethe diese Farben Missfarben. Die bekannteste dieser Missfarben oder bunten Grautöne ist die Farbe Braun.

BRAUN

Subtraktive Mischung von Rot und Grün – und somit von allen drei Primärfarben.
Braun wird nicht nur in der Kabbala sondern grundsätzlich in unserem Kulturbereich mit der Erde und der Großen Mutter verbunden.
Braun gehört mit Violett zu den unbeliebtesten Farben in unserem Kulturbereich. In Deutschland ist dies politisch begründet, da Braun die Lieblingsfarbe der Faschisten war. Man spricht noch heute von den Braunhemden und der braunen Gewalt.

Wie alle Farben generiert Braun gegensätzliche Konnotationen (was daran liegt, dass im Unbewussten Gegensätze auf gleichen Speicherplätzen zu liegen scheinen). Jeder kennt das gemütliche Braun der Holztöne, denen Ikea zum Durchbruch verhalf. Und wie wir schon bei vielen Farben sahen: Je heller der Braunton wird, desto beliebter ist er. Dieser Effekt ist jedoch bei Braun deutlicher als bei jeder anderen Farbe. Helle sandfarbene Brauntöne wirken erotisch (Dessousfarbe). Sie lassen speziell den gebräunten Körper schöner erscheinen, da Braun als Verstärker der Braunanteile der gebräunten Haut wirkt. So ist es verständlich, dass Braun in der Mode stets als eine beliebte Farbe galt - allerdings erst in der Neuzeit, denn davor kommunizierte braune Kleidung Armut.

Umgangssprachlich ist die Bezeichnung "braun" in der zotigen Sprache über Sexualität geläufig. Die Geschlechtsteile werden im Witz als braun bezeichnet. In der Witzforschung führte man die Bezeichnung "braune Witze" für sexuell deftige Witze ein. Braun ist auch der Kot, aus dem allerdings (metaphorisch) die Alchimisten Gold machen wollten.

Auffallend viele Genussmittel von Bier über Kaffe und Tee bis hin zum Cognac sind braun. Tabak ist braun und Schokolade. So scheint Braun ein Lustversprechen zu enthalten, das auch beim braunen Dessous im Vordergrund steht.

Tritt Braun zusammen mit Grün auf, wird die Natur angesprochen – wir assoziieren Holz, Leder und Fell. Braune Lebensmittel verweisen ebenfalls auf einen naturnahen Zustand. Braun als Oberflächenfarbe auf Gegenständen lässt diese wie bei Orange billiger erscheinen.

BRAUN in Kürze

Braun gehört zu den bunten Grautönen und den Missfarben, da es eine Mischung aus Rot und seiner Komplementärfarbe Grün darstellt. Braun ist von der politischen Vergangenheit her eine unbeliebte Farbe in Europa. Wenn es auch nicht gleich Faschismus kommuniziert, so wirkt es doch häufig bieder. Dies ist jedoch nur die eine Seite von Braun. Auf der anderen Seite wirkt speziell ein helles Braun erotisch. Braun charakterisiert ferner natürliche Produkte und Genussmittel.

Literatur: