Eine Einführung in die Gebiete Traum, Fantasie, Kreativität

Das Bewusstsein lässt sich dressieren wie ein Papagei, nicht aber das Unbewusste
C.G. Jung

Wie kann man im täglichen Entscheidungsdruck eine Entlastung durch die Beachtung der Träume erreichen? Gerade bei Managementproblemen im persönlichen und geschäftlichen Bereich geht es um den Umgang mit komplexen Herausforderungen, die häufig nicht vollständig zu überblicken sind, zugleich muss jedoch schnell und sicher entschieden werden. Wie das auf die einfachste und ökonomischste Weise geschehen kann, davon handelt dieser Artikel, der eine Einführung in das Gebiet von Traum, Fantasie und Kreativität gibt.

Die als Motto vorangestellte Aussage von C.G. Jung würde ich noch dahingehend zuspitzen zu behaupten, dass unser Bewusstsein wie ein alter Papagei dressiert ist, wohingegen das Unbewusste seine natürliche Wildheit und Buntheit bewahrt hat. In einer durch und durch domestizierten Welt kann nur das Wilde uns erlösen.

Der nächtliche Traum

Jeder träumt - wer meint, nicht zu träumen, der kann seine Träume nicht erinnern. Die Traumerinnerung ist allerdings in fast allen Fällen schnell und problemlos erlernbar. Eine fehlende Traumerinnerung ist selten das Zeichen psychischer Probleme, sondern meistens ein leicht zu behebendes Problem fehlender Einschlaf- und Aufwachkultur. Wer sich zum Beispiel durch einen Radiowecker wecken lässt oder den Abend zuvor viel Alkohol genossen hat, wer nach dem Aufwachen sogleich aus dem Bett springt, der braucht sich nicht zu wundern, wenn er keine Träume erinnert. Wer jedoch morgens nach dem Aufwachen durch einen Piepston-Wecker noch ein bis zwei Minuten liegen bleibt und seinen Gefühlen und Gedanken nachgeht, der wird sicherlich einen Traum erinnern.

Man träumt alle neunzig Minuten. Während des Schlafs wechselt man von der Tiefschlafphase in die REM-Phase, aus der man Träume erinnert - allerdings treten Träume auch in NON-REM-Phasen auf. Diese Träume sind aber zu kurz, um erinnert zu werden und nicht szenisch. Morgens zwischen acht und neun Uhr treten die längsten REM-Träume auf, die relativ leicht erinnert werden, jedoch die Erinnerung an die vorangehenden Träume verdrängen.

Wenn man vollständig am Träumen gehindert wird, treten relativ schnell psychoseartige Erscheinungen auf; bei längerem Traumentzug tritt eine große geistige Verwirrung auf, was schon Friedrich II. in unethischen Versuchen auf Sizilien belegte.

Problemlösung im Alltagsleben

Träumen stellt die wichtigste, allerdings leider auch die am wenigsten beachtete Art der Problemlösung im menschlichen Leben dar. Bei der gewohnten Entscheidungsfindung verlässt man sich auf Fakten und deren logische Ordnung. Diese zielgerichtete Verarbeitung von Fakten durch das Tagesbewusstsein läuft Gefahr

Durch solche Verhaltensweisen kommen wir nur zu eindimensionalen Lösungen, die atemberaubend vereinfachen und oftmals an der Realität vorbeigehen. Diese eindimensionalen Lösungen im Alltagsleben hängen nicht zuletzt damit zusammen, dass wir speziell in Stresssituationen wenig emotionale Intelligenz walten lassen. Das liegt daran, dass wir in unserer Gesellschaft wenig auf unsere Gefühle achten, sie zumindest nicht bewusst wahrnehmen. Mit der Traumarbeit wird das verändert. Sie führt, wie Daniel Goleman in seinem Bestseller "Emotionale Intelligenz" fordert, die Gefühle wieder in den Arbeits- und Entscheidungsbereich ein.

Problemlösung in der symbolischen Sprache des Traums

Der Traum stellt allnächtlich eine andere, vernachlässigte Perspektive der Probleme dar, mit denen wir uns die Tage zuvor beschäftigten. Da die Seele oder wie wir das Organ nennen wollen, das im Traum zu uns spricht, keine eigene Sprache aufweist, benutzt sie den sogenannten Tagesrest (Freud), um aus den Eindrücken des Vortags wie ein Strukturalist neue, ungedachte Lösungen zu bieten. Freilich werden diese Lösungen nicht in unserer gewohnten Sprache ausgedrückt. Der Traum sagt uns nicht offen und direkt, was zu tun ist, sondern er drückt sich in Symbolen aus. Symbole besitzen den Vorteil, komplexe Sachverhalte auf unterschiedlichen Ebenen in knapper Form auszudrücken. Um einen Traum zu verstehen, muss man deswegen die Sprache der Symbole gleich einer Fremdsprache lernen. Da wir jedoch alle ständig symbolisch im digitalen Code oder auf andere Weise kommunizieren, fällt es uns meistens nicht schwer, diese Sprache zu erlernen. Die Sprache der Träume ist wie eine Fremdsprache durch ständige Anwendung zu erlernen. Je öfter Sie Ihre Träume zu verstehen suchen, um so schneller wird Ihnen das auch gelingen, da Sie sich an die symbolische Sprache der Träume gewöhnen.

Wer in der Sprache seiner nächtlichen Träume zu Hause ist, dessen Wahrnehmung wird im Alltagsleben beweglicher und flexibler, wodurch Probleme differenzierter erfasst werden können und Problemlösungen kreativer werden. Die Sprache der Seele bedient sich also des Symbols. Das Symbol ist wie die Seele multidimensional und kann deswegen Komplexität bestens erfassen.

Tagesbewusstsein neigt zur Erstarrung, Einengung der Sicht

Über-Ich (sogenannt bewährte, konventionelle Lösungen)

Ich (das Ich verbündet sich häufig gerade in Stresssituationen mit dem Über-Ich und unterstützt deshalb die konventionellen Lösungen)

Nachtbewusstsein ist beweglich und plastisch, Erweiterung der Sicht

persönliches Unbewusstes (Freud) (neue Sichtweisen entstehen aus den persönlichen Erfahrungen und Gefühlen)

kollektives Unbewusstes (Jung) (neue Sichtweisen entstehen aus dem überpersönlichen Bereich)

Zwei grundsätzliche Problemlösungsstrategien:

Tagesbewusstsein

Problem > Logik > Lösung

eindimensionale Lösungen, die zur Starrheit neigen

Nachtbewusstsein

 

Problem > Symbol > Lösung

multidimensionale Lösungen, die sich flexibel der Situation anpassen das Problem wird zur Chance

 

Ein Problem entsteht häufig gerade dadurch, dass man mit erstarrter Sichtweise wie hypnotisiert auf die herausfordernde Situation schaut und gewohnte Verhaltensweisen ausprobiert. Eine neuartige Sicht der Situation schafft neue Strategien zur Auflösung des Problems, und auf diese Weise kann die Krise durch den symbolischen Blick des Traums zur Chance werden. So ist es verständlich, wenn die südamerikanische Psychoanalytikerin Pinkola Estes in ihrem Buch "Die Wolfsfrau" schreibt, dass die Träume Pforten zum Nächsthöheren darstellen. Im Traum spricht das Höhere zu uns; das heißt, von einer höheren Dimension aus kann man ein Problemfeld überblicken und dadurch mehr Zusammenhänge erkennen. Was dieses Höhere ist, bleibt ein Geheimnis. Ob wir es nun als

beschreiben, tut nichts zur Sache. Das sind alles nur Namen für etwas Unbekanntes. Wichtig ist zu sehen, dass es eine Instanz in uns gibt, die unserem Tagesbewusstsein überlegen ist und es sinnvoll ergänzt. Machen Sie sich klar, dass diese Instanz eine hilfreiche Instanz ist. Wenn Sie von dieser Feststellung ausgehen, werden Sie in jedem Traum den positiven Ansatz sehen, den er Ihnen bieten möchte. Arbeitet man mit dem Traum zur Lösung schwieriger Probleme, suchen wir stets das Positive und Neue, das uns jeder Traum bietet. Damit rücken wir weg von der alten psychoanalytischen Einsicht, dass der Traum psychische Defekte behebt. Ich ziehe in meiner Arbeit die Idee vor, dass wir alle fröhliche Neurotiker sind und dies unsere Individualität ausmacht. Immer im Bereich des Kranken zu suchen, zerstört unsere Kreativität und stellt eine Widerspiegelung einer von der Krankheit besessenen Gesellschaft dar. Wer in der Traumarbeit den Blick weitgehend auf das Negative richtet, der kann nicht erwarten, dass ihn der Traum hilfreiche Lösungen bietet.

Die komplementäre Funktion der Träume

Durch seine komplementäre (ergänzende) Funktion setzt der Traum das in Szene, was wir bewusst nicht sehen wollen oder können. Ein gutes Beispiel stellt der bekannte Verfolgungstraum dar. Was uns verfolgt, das möchte gesehen werden und rennt uns hinterher, um beachtet zu werden. Wovor wir im alltäglichen Leben die Augen schließen, das kehrt im Traum zu uns zurück. Wenn wir nur Gewohntes wahrnehmen wollen, Probleme sogleich vereinfachen und kleinkariert in bekannten Bahnen denken und von unseren Mechanismen blind abhängig sind, dann weisen unsere Träume die Tendenz auf, gerade das Ungewohnte, Unbequeme und Neue, das Komplexe und Weite in Szene zu setzen, um uns wieder auf den rechten Weg zu bringen. Man könnte sagen, dass uns unsere Träume allnächtlich wieder in die Ganzheit bringen, da sie uns hauptsächlich den Bereich vorstellen, den wir tagsüber nicht sehen wollen.

Traumhafte Lösungen

überbetont in unserer Gesellschaft

"Realität"

männliche Codierung

Bewusstsein

Animus (Erstarrung)

lineare Problembetrachtung

zielgerichtet

Analyse

Logik

unterbetont in unserer Gesellschaft

Traumwelt/verdrängte Sicht der Realität

weibliche Codierung

Unbewusstes

Anima (Verströmung)

komplexe Problembetrachtung

circambulierend (etwas umkreisend)

Synthese

Intuition

Traum

unterstützt die unterbetonte weibliche Sicht

mehr Sinn

größerer Blickwinkel > größerer Überblick

Neuordnung der Elemente

neue Gewichtung des Problems

neue Darstellung des Problems

Lösung

neue Sichtweise > neues Problembewusstsein

elegante Lösung (Kuss der Muse)

 

 

Diese ungewohnte (komplementäre) Wahrnehmung der Situation lockert unsere erstarrte Sichtweise, wodurch wir mit einem erweiterten Bewusstsein das Problem in einem komplexeren Zusammenhang erkennen können und uns zugleich erstaunlich einfache und elegante Lösungen geboten werden. In der anschaulichen Sprache der griechischen Klassik nannte man diese Situation den Kuss der Muse. Durch den Traum kommt die Muse als Allegorie für den kreativen Einfall zu einem. Die weibliche Sprache der traumhaften Bilder lockert den zur Erstarrung neigenden männlichen Code des Alltagslebens auf, und in der erotischen Geste des Kusses drückt sich die synthetische Einstellung aus. In einer vom männlichen Code bestimmten Welt bildet die vom weiblichen Code geprägte Traumwelt das Gegenbild bzw. das Komplementäre, das für die ganzheitliche Sicht und Erfassung der Wirklichkeit wichtig ist. Wie heißt es so treffend in den Geschichten von Tausendundeine Nacht: "Die Wahrheit liegt nicht in einem Traum, sie liegt in vielen." Die sich ergänzenden unterschiedlichen Sichtweisen ergeben das neue, realistische Bild der Situation bzw. des Problems oder der Herausforderung.

Es gibt eine Fülle historischer Beispiele, die von Kekulé von Stradonitz (organische Chemie) über Albert Einstein (Relativitätstheorie) bis zu heutigen Traumrunden von Managern in den USA, Japan und England reichen, die zeigen, wie das Verständnis der nächtlichen Träume zu einer völlig neuen Beschreibung der Realität führt. Naturgesetze und sogenannte bewährte Lösungen werden durch stimmigere handlungsleitende Modelle ersetzt, auf die die Sprache des Traums verwies. Dadurch wird die Vaterautorität, die sich gesellschaftlich in wissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten (man könnte auch von Dogmen reden) und sogenannten Sachzwängen äußert, durchbrochen und durch ein neues, der Realität angepasstes Wahrnehmen und Denken ersetzt. Gedankenfixierungen werden durchbrochen und so der Weg für neue Wahrnehmungen und neues Handeln eröffnet.

Komplementarität drückt sich auch physiologisch aus

Physiologisch ist die Komplementarität im Traum durch das Abschalten der linken Hirnhemisphäre bedingt, die konservativen Lösungsstrategien folgt. Im Traum sind die Großhirnrinde und das kontrollierende Bewusstsein weitgehend ausgeschaltet. Bewusstseinsprozesse laufen unter anderer Kontrolle weiter und zwar rechtshirnig. Das heißt, das Kritikvermögen ist ausgeschaltet und damit wird der Raum für Kreativität geöffnet. Nicht der eindimensionale, hochstrukturierte Intellekt spricht zu uns, sondern das Chaos – das weibliche Chaos als Mutter aller Dinge. Normalerweise können wir das Chaos nicht ertragen und projizieren eine (intellektuelle, männliche) Struktur auf dieses Chaos, das eine höhere oder tiefere Ordnung darstellt. Wir schaffen somit oftmals zu früh einen Sinn, da wir das Chaos nicht ertragen können. Wir strukturieren und denken aus Notwehr, um uns nicht mit der Wirklichkeit auseinandersetzen zu müssen.

Zur Physiologie des Traums

Linke Hemisphäre

im Traum mit Großhirnrinde abgeschaltet

Kritik logischer Bezug (mathematisch)

Struktur Routine

Strukturieren und Denken aus Notwehr

Rechte Hemisphäre

steuert Bewusstseinsprozesse im Traum

Intuition ästhetischer Bezug

Chaos Kreativität

tieferer Sinn

In einer hochstrukturierten Welt ist die Erfahrung des Chaos wichtig – sie stellt die komplementäre Funktion dar. Wenn im wachen Tagesbewusstsein die rechte Hirnhemisphäre unsere Wahrnehmung und unser Denken beherrscht, so herrscht im Traumbewusstsein der Nacht die linke Hemisphäre vor. Tag- und Nachtbewusstsein stehen so auch physiologisch komplementär zueinander. Eine bewusste Traumarbeit nutzt diese komplementären Strukturen, indem sie zwischen Tag- und Nachtbewusstsein, zwischen männlichen und weiblichen Code, zwischen linker und rechter Hemisphäre des Gehirns oszilliert. Verbindet man komplementäre Strukturen miteinander, befruchten sie sich gegenseitig, um Probleme aus neuer Sicht erscheinen zu lassen und aufzulösen.

Diese Oszillation, wie ich das ständigen Springen von einem Pol zum anderen in meiner Traumarbeit bezeichne, sieht konkret so aus, dass ich einen Traum sowohl intellektuell betrachte und zugleich diese Sicht wieder relativiere, indem ich meiner Intuition folge. Da schaue ich mir beispielsweise die Struktur der Symbole oder Handlung des Traum-Ichs an und zugleich folge ich meinen chaotischen Assoziationen und meinen Körpergefühlen (Focusing) in der Traumarbeit. Ich befinde mich mit meiner Bewusstseinsausrichtung sowohl auf der männlichen als auch auf der weiblichen Seite und kann mich so der Realität öffnen. Diese Haltung steht der Hexenkunst nahe, da die Hexe als eine, die auf der Hecke hockt (hagazussa), gerade dadurch charakterisiert ist, dass sie mit einem Bein in der einen, mit dem anderen Bein in der anderen Welt steht.

Oszillationen oder Traumarbeit als Hexenkunst

Wachheit

Tagbewusstsein

männlich

logisch

analytisch

differenzierend

Traum

Nachtbewusstsein

weiblich

intuitiv

synthetisch

verbindend

gegenseitige Befruchtung

beim Traumverständnis wechselt man ständig von der einen auf die andere Seite - so entsteht:

ein neuer Sinn - eine neue Sichtweise

traumhafte Lösungen

Es kommt keineswegs auf ein Entweder-Oder an; die geniale Lösung liegt im Sowohl-als-auch, das entspricht wiederum der Logik des Traums.

Visionsbildung in chaotischen Systemen

Man könnte sagen: Die Visionsbildung ist der gewagte Blick in die Zukunft. Als je unstrukturierter eine Situation empfunden wird, desto stärker tritt die visionsbildende Kraft des Traums hervor. Beim Management von chaotischen Systemen bewährt sich unser Nachtbewusstsein, da es den weiblichen Code benutzt, der das synthetische Denken unterstützt. Dadurch können wie bei einem Aha-Erlebnis neuartige Lösungen auftauchen, die große praktische Relevanz haben.

Der Traum ist im Gegensatz zum Tagesbewusstsein nicht von der klaren Bestimmtheit von Fakten abhängig, um zu einer gültigen Aussage zu kommen. In der Sprache des Tagesbewusstseins heißt das: Der Traum ist ein Meister der Interpolation und Hochrechnung und besitzt ein großes Gespür für Tendenzen. Die Leistungsfähigkeit des Tagesbewusstseins ist direkt proportional abhängig von dem gesicherten Faktenmaterial, von dem aus hochgerechnet wird.

Nützliche Visionen werden keineswegs aus dem Tagesbewusstsein allein entwickelt, da ihm die Fakten für die Zukunftsplanung fehlen. Die Zukunft bietet stets einen Unsicherheitsfaktor, das heißt, es sind immer unbestimmte Variablen im Spiel. Damit kann das Traumbewusstsein weitaus besser als das Tagesbewusstsein umgehen, wie wir noch genauer sehen werden, wenn wir im folgenden den Zeitbezug des Traums betrachten.

Traum und Zeit

Träume weisen eine spezielle Affinität zur Zeit auf. Die synchronistische Funktion der Träume (ein Verhältnis von Ursache und Wirkung, das sich nicht nach der Logik ausrichtet) entspricht den unterschiedlichen Zeitebenen, die in der Quantenphysik unter anderem von dem berühmten zeitgenössischen amerikanischen Physiker John Wheeler angenommen werden. Seit C.G. Jung ist bekannt, dass der Traum einen größeren Zeitraum überblickt als das auf lineare Zeit begrenzte Tagesbewusstsein. Deswegen kann der Traum erstaunlich sichere Zukunftsperspektiven erstellen.

Im Traum stellen sich die Träumenden wie Empfänger auf andere Zeitebenen ein. Die Zeit läuft wie eine Quantenwelle vorwärts und rückwärts, oder spielt sich gar alle Zeit gleichzeitig ab. Die Zukunft wirkt auf den Traum im Sinn der Quantenwelle, die von einem zukünftigen Ereignis ausgeht, und auf der Ebene der Archetypen findet alle Zeit zugleich statt, hier ist alle Information zugleich vorhanden. Man kann also verschiedene Arten von "Zeit" unterscheiden.

Lineare Zeit

Vergangenheit > Gegenwart > Zukunft

männliche Zeit

Zyklische Zeit

Vergangenheit kehrt in der Gegenwart und Zukunft wird

weibliche Zeit

Rückwärtslaufende Zeit

Zukunft > Gegenwart > Vergangenheit

die Wirkung liegt vor der Ursache

Traumzeit

Zeitlose Bereiche

z.B. Unbewusstes, Hilbert-Raum (moderne Mathematik)

Es (Freud), Welt der Archetypen bzw. des kollektiven Unbewussten (Jung)

 

Man kann im Traum horizontal und vertikal die Ebenen erleben, dadurch entsteht ein neuer zeitlicher Rahmen, der als Vorausschau oder enorme Horizonterweiterung erlebt wird. Der Traum ist also das Hilfsmittel zur Visionsbildung, da er in uns unfassbare Weise die Zukunft in seine Bilder und Symbole mit einbezieht. Wer ohne die Mithilfe seiner Träume plant, der lässt nicht nur die wichtigste, sondern auch die einzig sichere Informationsquelle für diese Planung unbeachtet. Das macht sich stets negativ in der Qualität der Entscheidung bemerkbar.

Die Tagtraumtechnik

Der Tagtraum ist ein halbbewusst dirigierter Traum, er ist ein Zwitterwesen zwischen Tag- und Nacht und hat an beiden Welten Anteil.

Alltagsrealität

bewusst

Tagtraum

teils bewusst teils unbewusst

Nächtlicher Traum

unbewusst

 

Neben der Achtsamkeit für den nächtlichen Traum ist es vorteilhaft, mit der Tagtraumtechnik zu arbeiten. Bei dieser Technik kann man nicht nur an seine nächtlichen Träume anknüpfen, sondern sie beeinflusst auch die kommenden Träume. Auf diese Weise kann man sein Un- und Überbewusstes in der Nacht anregen, bestimmte Probleme zu bearbeiten. Ferner eignet sich diese Technik zur direkten Bearbeitung komplexer Probleme aus einem höheren Überblick heraus.

Die Arbeit mit gelenkten Träumen oder Tagträumen gehört im Grunde der Hexenkunst an, indem sie in virtuoser Weise sich zwischen zwei Welten bewegt: Zum einem initiiert der menschliche Intellekt den Tagtraum, indem er sich eine bestimmte Situation vorstellt, zum anderen gewinnt diese Situation erstaunlich schnell ihr Eigendynamik. Das Traumbewusstsein und die Intuition übernehmen die Führung. Durch diesen Wechsel, der den ganzen Tagtraum über anhält, indem wir einmal vom Unbewussten gezogen werden, dann wieder bewusst oder halbbewusst eingreifen, entsteht nicht nur wie im nächtlichen Traum ein tieferer Sinn, sondern durch ihn werden auch die nächtlichen Träume beeinflusst, wie sie auch umgekehrt die Tagtraumtechnik beeinflussen. Tagtraumtechnik und Traumarbeit stellen eine wichtige Ergänzung dar besonders im Sinne der Entscheidungsfindung durch Träume.